"Jenseits der Silbernen See, umgeben von dreizehn grünen Bergen,
liegt das wundersame Königreich des Prinzen der Dämmerung..."

[Rezension] Lilly Lindner - Was fehlt, wenn ich verschwunden bin



Kaufen??? H I E R !!!
Autor:                   Lilly Lindner

Titel:                     Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Verlag:                  Fischer Taschenbuch

Seiten:                  400, Klappenbroschur

Preis:                    9,99 EUR

ISBN-13:               978-3733500931

Bewertung:       3.5/5


Wenn der Kampf mit der Magersucht mehr als ein Opfer hat



Phoebes Welt ist ein einziger Scherbenhaufen.

Ihre ältere Schwester April ist seit Wochen in einer Klinik 
und wird wegen ihrer Magersucht behandelt.
Phoebe vermisst sie sehr, denn irgendwie ist das Leben mit ihren Eltern
nur noch ein Dahinvegetieren für alle, seit ihre Schwester weg ist.

Vor lauter Sehnsucht, nach dem einzigen Familienmitglied,
bei dem sie sich immer wohl fühlen konnte, fängt die 9-jährige an,
ihrer Schwester Briefe zu schreiben.

Briefe, in denen sie ihr von ihrem Alltag und all den Kleinigkeiten erzählt, die sie so beschäftigen.
Von den Eltern, die ihr ihre Fragen nicht beantworten können,
von der Einsamkeit, die sie immer mehr in Beschlag nimmt
und von den wenigen schönen Dingen, die sie erlebt.

Und obwohl sie keine Antwort von ihrer Schwester aus dem Krankenhaus erhält,
hört sie nicht auf damit, denn Schreiben scheint ihr bald das Einzige zu sein,
dass ihr in ihrer Situation noch helfen kann.

Zum Buch:


Ich muss gleich zu Beginn zugeben, dass ich mir sehr schwer damit getan habe,
ein Buch zu lesen, das nicht nur so ein ernstes Thema hat, sondern dessen ganze Grundstimmung mich immer wieder in ein Loch ziehen wollte.

Doch ich habe mich der Aufgabe gestellt, allein weil mir so viele Leute in den höchsten Tönen von der Autorin Lilly Lindner vorgeschwärmt hatten.

Das Buch ist in Briefform geschrieben, was mir den Einstieg etwas erschwerte, aber nach einiger Zeit hatte ich mich nicht nur dran gewöhnt, sondern schien mir die Briefform ein guter Weg zu sein, sich diesem ernsten Thema zu nähern.

Phoebe konnte ich sofort ins Herz schliessen.
Sie ist aufgeweckt, anderen Kindern in ihrem Alter sehr weit voraus und sie analysiert ihre Umwelt in einer Art und Weise, die mich immer wieder staunen ließ.
Ihr Herzblut hängt an der kranken Schwester, deren Krankheit sie zu verstehen versucht und dabei von ihren Eltern so gut wie keine Unterstützung findet.
Immer mehr wirkte es auf mich als müsste diese engagierte Kleine alleine gegen ihre Sorgen und Ängste kämpfen und niemand würde dem Einhalt gebieten.

Doch dann konnte ich auch April besser kennenlernen und plötzlich war es kein einsamer Kampf mehr für Phoebe, sondern ich verstand immer besser, warum die beiden Schwestern ein so enges Band verbindet und sie einander brauchen.
Auch die Gründe für Aprils Magersucht wurden mir näher gebracht und ich konnte zumindest ein  Stück weit verstehen, was sie soweit gebracht hat, oder besser wer.

Jedoch war es mir gerade an diesen Stellen alles ein bisschen zu sehr schwarz und weiss.
Ja, Aprils und Phoebes Eltern verdienen definitiv nicht den Preis als bestes Elternpaar und in manchen Situationen, konnte ich kaum glauben, wie sie mit ihren Kindern umgingen, aber alles nur auf die Eltern abzuwälzen, war mir einfach etwas zu leicht.
Auch hatte man als Leser nie die Chance hinter die Kulissen der Eltern zu blicken und vielleicht das ein oder andere Aha - Erlebnis zu haben oder deren Unverständnis besser nachzuvollziehen.

Was mich auch ab und zu mal stolpern ließ war die sprachliche und emotionale Reife von Phoebe.
Selbst wenn sie ihren Altersgenossen weit voraus ist, so wirkten manche Weisheiten, wie die einer alten Frau und manche Worte, als hätte Phoebe ein Faible für eine philosophische Ausdrucksweise.
Es störte mich zwar nicht so sehr, aber es liess mich auch immer wieder vergessen, dass Phoebe gerade mal 9 Jahre alt ist und eigentlich viel zerbrechlicher sein müsste.

Mein grösstes Problem war aber leider von Anfang an die Thematik des Buches.
Auch wenn Lilly Lindner eine wunderbare Reihenfolge von schönen Worten und Weisheiten mit der Geschichte der Schwestern verwoben hat, so schafften es die beiden Charaktere leider nie, mich emotional zu berühren. Vielleicht war mein Kopf einfach nur nicht frei für die Gefühle dieses Buches, oder ich war bereits zu sehr abgestumpft, was die Problematik von Essstörungen angeht, da ich im Bekanntenkreis durchaus einige Betroffene kenne, aber für mich blieb die Geschichte leider ein Fall unter vielen.

Fazit:


Das erste Jugendbuch 'Was fehlt, wenn ich verschwunden bin' von Lilly Lindner, bringt für Fans von der Autorin all das mit, was diese auszeichnet: Schöne Wortmalereien, Liebe zum Detail & ein Hoffnungsschimmmer in jeder noch so düsteren Situation.
Leider konnte mich die Thematik des Buches zu wenig berühren und so blieben auch die Emotionen der Protagonisten teilweise auf der Strecke.
Fans gefühlsbetonter Erzählungen, in denen die Liebe jeden Kampf zu führen versucht, werden aber definitiv mitfiebern, mitleiden und mithoffen und diese Geschichte in ihr Herz schliessen.







Kommentare:

  1. Liebe Shou,
    Was für eine wundervolle Rezension. Wie schade, dass dich die beiden Protagonisten nicht packen konnten.
    Das Buch liegt hier auch noch. Und ich bin gespannt, wie ich mit dem Thema zurecht komme.

    Liebste Grüße :-*
    Sabrina

    AntwortenLöschen
  2. Da hast du mal wieder eine wundervolle Rezension geschrieben. Bei dir weiß ich immer woran man ist. Da kann man sich sofort vorstellen, ob einem das Buch selber gefällt oder nicht.

    Ich bin gespannt wie es mir gefallen wird. Ich habe es ja bei eurer Blogtour gewonnen.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

    AntwortenLöschen